Niemals den Hauch einer Chance gehabt,

niemals wirklich fest an mich geglaubt,

niemals mir selbst eine Chance gegeben.

Niemand war strenger zu mir als ich.

Unter diesen Bedingungen

hätte auch der Beste verloren.

Hab mich ständig unter Druck gesetzt,

mir immer wieder vorgemacht,

alles getan zu haben.

Wer ist dieser Kerl,

der mir dauernd reinredet?

Was will der von mir,

etwa mein Bestes?

Jeden Annäherungsversuch von ihm

erfolgreich abgewehrt.

Sieht er nicht aus wie ich?

Und warum will er mich

dann nicht verstehen?

Er ißt das, was ich esse

und er sieht das, was ich sehe,

doch er sieht es immer anders.

Er scheint nicht von dieser Welt-

so unbestechlich hart und fehlerlos.

Sogar im Schlaf wacht er über mich.

Womit habe ich diesen Kerl verdient?

Er hat etwas unmenschliches in seinem Blick.

Ich fühle mich von ihm unterdrückt.

Woher nimmt er nur die Überzeugung,

daß alles was er macht, gut für mich wäre?

Er schickt mir Zweifel,

wenn ich Zuspruch brauche.

Er läßt mich Dinge tun,

die mir zuwider sind,

und alles in meinem Namen.

Oft habe ich darüber nachgedacht,

wie ich ihn am besten loswerden kann.

Heute Nacht ist es soweit.

Ein Mord ohne Leiche

und doch mit Folgen.

© Mathias Bleckmann 2004